Spaghetti-Diagramm

 

Das Spaghetti-Diagramm dient der Visualisierung von Arbeitsabläufen und Materialflüssen.

Das primäre Ziel bei der Anfertigung eines Spaghetti-Diagramms ist das Aufdecken von Verschwendung in Arbeitsprozessen. So lassen sich mit Hilfe des Spaghetti-Diagramms die Verschwendungsarten "Transportieren" und "Bewegung" anschaulich darstellen.

Dazu werden in einem Layout des Produktionsbereichs die während des Produktionsprozesses zurückgelegten Wege in Form von Linien eingetragen. Je unproduktiver der Prozessablauf ist, desto verworrener sind die Linien auf dem Layout angeordnet. Der Name Spaghetti-Diagramm ergibt sich aus der Tatsache, dass solche Darstellungen häufig in ihrer Optik einem Teller Spaghetti ähneln.

 

Ziele:

  • Visualisierung zurückgelegter Wege im Arbeitsablauf
  • Erkennen der Verschwendungsarten Transport und Bewegung
  • Basis für die Optimierung des Produktionslayouts, um die Verschwendung zu verringern und so die Produktivität zu erhöhen

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Spaghetti-Diagramm-Beispiel:

Ansätze für die Erstellung:

Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze bei der Erstellung eines Spaghetti-Diagramms:

  1. Skizzieren der zurückgelegten Wege des Mitarbeiters:
    Hierbei werden die Wege aus Sicht des Mitarbeiters analysiert. Zuviel an Bewegung deutet auf ein unzureichendes Layout bzw. mangelnde Arbeitsplatzorganisation hin (Anordnung der Werkzeuge etc.)
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  2. Skizzieren der zurückgelegten Wege des Werkstücks:
    Aus diesem Ansatz lassen sich Aussagen zum Materialfluss ableiten, wobei der Fokus auf der Verschwendungsart "Transportieren" liegt. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass Transporte häufig auch mit unnötiger Bewegung einhergehen.

Beispiele für Einsatzfälle in der Praxis:

  • Layoutoptimierung von Fertigungszellen
  • Als Werkzeug für 5S-Aktionen --> welche Werkzeuge und Betriebsmittel sollten direkt am Arbeitsplatz angeordnet sein?
  • Hilfsmittel zur Reduzierung von Rüstzeiten (SMED-Workshops)
  • Ermittlung des zurückgelegten Weges eines Produktes während des Produktionsablaufs

Vorteile:

Die Anwendung dieses Werkzeuges ist leicht zu erlernen und gleichermaßen leicht anwendbar. Das Spaghetti-Diagramm ermöglicht eine einfache und trotzdem überzeugende Darstellung von Verschwendung im Produktionsablauf.

 

Vorgehensweise:

  1. Layout skizzieren:
    Bei der Anfertigung des Layouts ist darauf zu achten, dass dieses maßstabsgetreu aufgezeichnet wird, damit in der sich anschließenden Auswertung die zurückgelegten Wege durch Ausmessen auf der Skizze ermittelt werden können.
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  2. Beobachtungszeitraum festlegen:
    Nach welcher Zeitspanne lassen sich verlässliche Aussagen über die Verschwendung im Prozess treffen? Wird beispielsweise ein Montageprozess untersucht, der insgesamt nur 2 Minuten andauert, ist ein Untersuchungszeitraum von einer Stunde bereits ausreichend, um das durchschnittliche Ausmaß der Verschwendung ermitteln zu können. Basis für die Festlegung des Beobachtungszeitraums ist also die Länge des zu untersuchenden Prozesses.
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  3. Linien für zurückgelegte Wege einzeichnen:
    Während des Beobachtungszeitraums wird für jeden zurückgelegten Weg eine entprechende Linie in das Layout eingezeichnet. Bereits während der Beobachtung des Prozesses lässt sich erkennen, welche Wege unnötig sind und durch Optimierung des Layouts oder der Arbeitsplatzorganisation vermieden werden könnten.
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  4. Auswertung des Spaghetti-Diagramms:
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    a) Qualitative Auswertung:
    Für eine qualitative Bewertung des angefertigten Spaghetti Diagramms reicht einziger Blick aus. Ist das Diagramm extrem verworren, kann man von einem hohen Verbesserungspotenzial ausgehen. Insbesondere  lange Wegelinien und besonders dicke Linienanhäufungen springen dem Betrachter sofort ins Auge.
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    b) Quantitative Auswertung:
    Bei der quantitativen Auswertung wird die Länge der einzelnen Linien ausgemessen und anschließend ein Gesamtweg berechnet. Dazu kann eine einfache Tabelle von Nutzen sein:

Verschwendung verringern:

Wie bereits erwähnt lässt sich die im Prozess enthaltene Verschwendung sehr gut durch die Erstellung eines Spaghetti Diagramms visualisieren. Die Notwendigkeit von Verbesserungsmaßnahmen sollte hiermit auch dem letzten Zweifler nahe gebracht werden können.

Nur ist damit die Verschwendung noch lange nicht beseitigt oder verringert. Es gilt nun, Ursachen für die langen Wege zu finden und diese zu beseitigen. Der Beobachter wird allerdings schon während der Erstellung des Diagramms eine Vielzahl von Anhaltspunkten für mögliche Optimierungsansätze finden.