Kanban

Kanban ist eine Methode für die Bestandsführung und Produktionssteuerung, die auf dem Pull-Prinzip beruht und einen in sich selbst geschlossenen Regelkreis darstellt. Bei dem Pull-Prinzip, auch ziehende Fertigung genannt, entnimmt der Verbraucher das für die Produktion benötigte Material bei seinem Lieferanten. Hat der Verbraucher eine zuvor festgelegte Kanban-Menge verbraucht, gibt dieser ein Signal an den Lieferanten in Form einer Kanban-Karte (jap. Kanban = Karte), die Kanban-Menge erneut zu produzieren.

Nachfolgend soll der Ablauf der Kanban-Methode an einem Beispiel veanschaulicht werden:

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Kanban-Ablauf: Ausgangszustand

In einer Endmontagezelle sollen Endprodukte "Rund-orange" produziert werden. Dazu werden in eine Baugruppe "Rund-blau" jeweils zwei Schrauben eingeschraubt. Die Schrauben werden als Schüttgut in der Endmontage-Zelle in einer Schäferkiste bevorratet, wohingegen die Baugruppe "Rund-blau" in der Vormontage durch die Bearbeitung des Rohlings "Dreieck-blau" hergestellt werden soll.

Die Versorgung der Endmontagezelle mit der Baugruppe "Rund-blau" soll über ein Zwei-Topf-Kanban erfolgen.

Kanban-Ablauf: Schritt 1

Die Endmontage erhält nun den Kundenauftrag, sechs Endprodukte zu montieren und holt sich daher den Kanban-Behälter Nr.1 mit der erforderlichen vormontierten Baugruppe aus der Vormontage.

Kanban-Ablauf: Schritt 2

In der Endmontage werden nun die sechs Endprodukte montiert und an den Kunden ausgeliefert. Die dazu erforderlichen Baugruppen werden aus dem Kanban-Behälter Nr.1 entnommen.

Kanban-Ablauf: Schritt 3

Im Anschluss kommt ein neuer Kundenauftrag über vier Endprodukte rein, der ebenfalls von der Endmontage bedient wird. Damit wurden insgesamt 10 vormontierte Baugruppen verbraucht und der Kanban-Behälter ist nun leer.

Kanban-Ablauf: Schritt 4

Die Geschäfte laufen gut und die Montagezelle erhält daher einen neuen Kundenauftrag über drei Stück Endprodukte. Da die vormontierten Baugruppen in dem Kanban-Behälter 1 verbraucht sind, bringt der Monteur diesen zurück in die Vormontage und nimmt dabei den vollen Kanban-Behälter 2 mit zurück in die Endmontage.

Kanban-Ablauf: Schritt 5

Für den Monteur in der Vormontage ist die Kanban-Karte, die am leeren Kanban-Behälter befestigt ist, der Auftrag, diesen wieder aufzufüllen. Er erhält also so den Fertigungsauftrag 10 Stück Baugruppen "Rund-blau" herzustellen.

In der Zwischenzeit montiert der Mitarbeiter in der Endmontage drei Endprodukte "Rund-orange", wobei er sich aus dem Kanban-Behälter 2 bedient.

Kanban-Ablauf: Schritt 6

Der Monteur in der Vormontage hat den Kanban-Behälter 1 aufgefüllt und diesen wieder in das Supermarktregal gestellt.

Sein Kollege in der Endmontage hat mittlerweile einen vierten Kundenauftrag erhalten und montiert 5 weitere Endprodukte "Rund-orange".

Kanban-Ablauf: weitere Schritte

Mit dem nächsten Kundenauftrag, sofern dieser eine Losgröße >1 hat, wird der Vorrat im Kanban-Behälter 2, der sich zur Zeit in der Endmontage befindet, ebenfalls aufgebraucht sein. Der Monteur wird den leeren Behälter zur Auffüllung (Produktionskanban) in die Vormontage zurückbringen und sich dort den im Supermarkt befindlichen Kanban-Behälter 1 holen.

Als nächstes wird der Monteur der Vormontage Kanban-Behälter 2 wieder auffüllen und ihn im Supermarkt bereitstellen.

In der Vormontage wird allerdings bald der Bestand der Rohteile "Dreieck-blau" und in der Endmontage der Bestand des Schüttguts "Schrauben" aufgebraucht sein. Idealerweise würde man auch die Schrauben in zwei "Töpfen" in der Endmontage bevorraten. Mit dem Einsatz eines Umlagerungskanbans könnte der jeweils leere Schrauben-Kanban beispielsweise vom innerbetrieblichen Transport im Zuge eines sogenannten "Milk-Runs" wieder aufgefüllt (zentrales C-Teile Lager mit Lieferantenkanban) werden, ohne dass der Mitarbeiter der Endmontage seine Montagezelle verlassen muss.

Für die Rohteile "Dreieck-blau" kann ebenfalls ein Zwei-Topf-Fertigungskanban eingerichtet werden, der von einer entsprechenden Fertigungszelle bedient wird.

 

Fazit:

Man erkennt sofort, dass der komplette Herstellungsprozess allein vom Kundenauftrag "getrieben" wird. Ein Kundenauftrag schlägt in der Endmontage auf und sämtliche Stufen im Bearbeitungsablauf "ziehen" automatisch die benötigten Komponenten und Baugruppen per Kanban von ihrem Vorgängerprozess.

Keine der einzelnen Fertigungsstufen muss von einem Produktionsplaner oder Materialdisponenten separat geplant oder gesteuert werden. Theoretisch ist für diesen Ablauf auch keinerlei EDV-Unterstützung in Form eines MRP-/ERP-Systems nötig. Die durch den Kundenauftrag initiierte Wertschöpfungskette könnte allein durch Einsatz von Kanban-Karten gesteuert werden.

Nachfolgende Darstellung zeigt, wie eine ziehende Produktion über mehrere Prozessschritte hinweg über Kanban gesteuert werden kann. Dabei ist wiederum der Kundenauftrag der Auslöser für das Durchlaufen der Wertschöpfungskette.


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